Ein Haus mit einer speziellen Speicherwand
Das Einfamilienhaus steht in Ebnat-Kappel, eine kleine Gemeinde in der
Ostschweiz, auf einem Grundstück, oberhalb der Nebelzone(635 ü.d.M.), aber den
Winden ausgesetzt. Hier hart der für seine innovativen Häuser bekannte Schweizer Architekt Dietrich Schwarz ein
Einfamilienhaus projektiert, das den Schweizer Solarpreis 2001 gewonnen hat.
Das Einfamilienhaus von Norden gesehen
Das eingeschossige Haus ist vollständig
aus vorgefertigten Holzelementen gebaut. Die Nordfassade ist 25 Meter lang und
3,3 Meter hoch. Norden ist die Wetterseite, aber weil die Fassade niedrig ist,
ist der Einfluss des Windes nicht sehr gross. Die Sudfassade ist hingegen hoher
und enthalt verschiedene Elemente zur passiven Nutzung der Sonnenenergie. 38
Prozent der Fassade sind verglast, die restlichen 62 Prozent bestehen aus
Elementen, in die Paraffinkassetten eingefügt sind, welche die Sonnenwärme
speichern. Diese Elemente machen die Besonderheit des Hauses aus.
Die Nordfassade und das Dach
sind mit einer Schicht von 40 cm Zelluloseflocken (isofloc) gedämmt und haben
einen Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von 0,11 W/m2K. Der U-Wert
der Speicherwand beträgt 0,4 W/m2K. Die Holzfenster (Lärche) haben eine
Dreifachverglasung mit IV-Scheiben.
Die Speicherwand
Eine traditionelle Speicherwand wie zum
Beispiel diejenige von Felix Trombe (1906-1985) in den 40er Jahren erfundene, erwärmt sich
unter der Sonnenstrahlung, überträgt die Wärme nach innen und, infolge ihrer
thermischen Trägheit, speichert sie
diese für längere Zeit. Um ausreichend Wärme zu speichern, muss die Wand schwer
sein, ist deshalb dick und hat ein hohes Gewicht.
Infolge der Verwendung
von handlichen Speicherelementen aus Paraffin, ist die Wand des Hauses in
Ebnat-Kappel leicht und hat die bescheidene Dicke von 106 mm. Der Aufbau der Wand ist folgender: aussen hat
sie eine Doppelverglasung, die aus zwei Glasscheiben und Zwischenraum besteht (6 + 29 + 6 mm).
Die äussere Scheibe aus Sicherheitsglas ist selektiv (6 mm), die innere nicht.
Der Im Zwischenraum, der mit Argon-Gas gefüllt ist, befindet sich eine Scheibe
aus prismatischen Plexiglas, die das Licht nach aussen reflektiert, wenn die
Hohe der Sonne 40° überschreitet.
Deswegen können die Sonnenstrahlen nur im Winter die Verglasung
passieren. Hinter dieser Verglasung, im Abstand von 12 mm befindet sich das
zwischen zwei Gasscheiben eingeschlossene Paraffin (42 mm).
Weil man das
Paraffin nicht direkt zwischen die zwei Glasscheiben einbringen kann, befindet
sich dieses in transparenten, hermetisch geschlossenen Plastikkassetten (PP, UV resistent), die
zwischen den zwei Glasscheiben angeordnet sind. Die Kassetten sind 100 x 100 x
20 mm gross und wiegen 140 g.
Die Paraffin-Elemente
Die Verflüssigung
des Paraffins erfolgt langsam, beginnt an der äusseren Oberfläche und schreitet
langsam nach innen fort. Bis zur totalen Verflüssigung bleibt die Temperatur
des Paraffins zwischen 27 und 35°C. Auch wenn die Temperatur der äusseren
Kassettenseite etwa 40°C erreicht, überschreitet diejenige der inneren Seite nie 25°C, weil das Paraffin
während der Nacht wieder erstarrt. Das Paraffin verflüssigt sich vollständig
nur nach mehreren aufeinanderfolgenden Sonnentagen. Nach einigen bewölkten
Tagen braucht das Paraffin drei bis vier Tage um sich unter der Sonne zu
verflüssigen. Im Winter verflüssigt sich das Paraffin sehr selten und wenn,
dann nur für kurze Zeit.
Ansicht der Speicherwand von aussen
Die Speicherwand hat
auch einen optischen Effekt. Wenn das Paraffin flüssig ist (wenn die Sonne
scheint), ist es hell und transparent, während es in festem Zustand (an
bewölkten Tagen) dunkler erscheint.
Das Innere des Hauses
Trotz ihrer Leichtheit besitzt die Speicherwand alle vier Grundelemente
einer Solartechnologie: Wärmedämmung, Absorption der Sonnenstrahlung,
Wärmespeicherung und Sonnenschutz gegen Überhitzung im Sommer.
Nicht nur der
Paraffinspeicher ist ein innovatives Element im Hauses, sondern auch der
Sonnenschutz. Das Element aus primatischen Plexiglas lässt die direkte
Sonnenstrahlung nur im Winter passieren, wenn der Sonnenstand niedrig ist; bei
höherem Sonnenstand reflektiert es da Licht. Dies geschieht natürlich nur, wenn
das Plexiglas direkt nach Süden (+/- 20°) ausgerichtet ist. Die Messungen, die
im Rahmen der wissenschaftliche Begleitung des Projektes durchgeführt wurden,
hat gezeigt, dass schon am Ende des Oktobers die Sonnenstrahlen vollständig den
Plexiglasschirm passieren. Die Speicherwand wurde von der Firma INGLAS GmbH & Co. KG aus
Friedrichshafen (Deutschland) gebaut. Die
wissenschaftliche Begleitung des Projektes wurde vom Bundesamt für Energie
finanziert.
Technische Installationen
Die technischen Installationen (Lüftungsanlage,
Sanitärinstallation) sind zum Teil zwischen Dach und Unterdecke untergebracht,
zum Teil unter dem Fussboden der Küche und des Bades.
Das Haus ist mit aktiven
Solarsystemen ausgestattet, die zur Einsparung von Primärenergie beitragen.
Eine mechanische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Erdwärmetauscher,
verringert die Lüftungswärmeverluste. Eine Wärmepumpe mit einer Leistung von
1,4 kW (COP 3,5) entzieht der Abluft die Wärme und deckt den Restbedarf an
Wärme wenn es sehr kalt ist. Die Wärmepumpe tritt automatisch in Aktion, wenn
die Innentemperatur unter 18°C fällt und erzeugt Warmwasser, wenn der
Sonnenkollektor nicht in der Lage ist, den Bedarf zu decken. Eine Photovoltaik-Anlage
von 17 m2 deckt den gesamten Jahresbedarf an elektrischen Strom,
aber im Winter, wenn die Sonne wenig scheint, bezieht das Haus auch Strom aus
dem öffentlichen Netz. Im Sommer wird hingegen der nicht im Haus benötigte
Strom ins Netz eingespeist.
Zufriedenheit der Bewohner
Die Bewohner des Hauses empfinden
das Klima im Haus als angenehm, sowohl im Winter als im Sommer. Geschätzt wird
insbesondere die Tatsache, dass die Temperaturschwankungen, zwischen Minimum
und Maximum, sehr gering sind.
Baukosten
Die Baukosten des Hauses betrugen
(2000) 660.000 Schweizerfranken (447.000 €). Die Kosten der Speicherwand beliefen sich auf 1.200
Schweizerfranken (815 €) pro Quadratmeter. Zu berücksichtigen ist, dass es sich
um einen Prototyp handelt. Der Architekt glaubt, dass bei Serienfertigung der
Elemente die Kosten sich halbieren liessen.
Fotos: Frederic Comtesse





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