lunedì 3 ottobre 2016

Solararchitektur in Europa (12)

Das Effizienzhaus Plus in Berlin
                                           
Seit Dezember 2011 ist in Berlin das sogenannte „Effizienzhaus Plus“ in Betrieb, ein Haus, das mehr Energie erzeugen sollte als seine Bewohner verbrauchen. Manche Politiker sehen in dem Haus ein Modell des zukünftigen Wohnens, Spezialisten halten hingegen das Konzept für verfehlt.


Die Familie, die als “Versuchskaninchen” das Haus bewohnt hat

Im Dezember 2011 wurde in Berlin ein sogenanntes „Effizienzhaus Plus“ eingeweiht, ein Haus, das mehr Energie erzeugen soll als eine mittlere deutsche Familie verbraucht.  Deshalb wurde es „Effizienzhaus Plus“ genannt.


Einweihung des “Effizienzhaus Plus“ im Dezember 2011 mit Bundeskanzlerin  Angela Merkel

Das Haus hat eine Wohnfläche von 130 m2 und hat 2,5 Millionen Euro gekostet. Es verbraucht hauptsächlich elektrische Energie und deshalb sind sein Dach und ein Teil seiner Aussenwände mit Photovoltaik-Modulen bestückt. Die Heizung und die Warmwasseraufbereitung sind elektrisch, ausserdem soll der erzeugte Strom ausreichen um die Batterien eines Elektroautos und von Elektrofahrrädern aufzuladen.


Die Aussenhaut des Hauses ist mit Photovoltaik-Modulen verkleidet. 

Das Berliner “Effizienzhaus Plus” hat eine hocheffiziente Wärmedämmung und seine Fassaden sind mit Photovoltaik-Modulen verkleidet. Der erzeugte Strom dient auch zum Betrieb einer Wärmepumpe, die Wärme für die Heizung und die Warmwasseraufbereitung bereitstellt. Anstelle von Fenstern besitzt das Haus grosse Glasflächen mit einer Dreifach-Isolier-Verglasung. Das Haus betritt man über eine grosse, gedeckte Terrasse, die auch Platz und eine Ladestation für ein Elektroauto und elektrische Fahrräder bietet.



 

Die Küche 

Bei der Einweihung hat die Kanzlerin Angela Merkel das Haus „als ein Beispiel des zukünftigen Wohnens“ vorgestellt. Und auch der Minister für Wohnungsbau Peter Ramsauer ist überzeugt, dass das Modellhaus sich nach einjährigem Betrieb im täglichen Gebrauch hervorragend bewährt habe.


Das Schlafzimmer 

Das Haus in Berlin ist eines von 30 Modellen, welche die deutsche Bundesregierung finanziert hat, geniesst aber die meiste Aufmerksamkeit, weil es in der Hauptstadt steht. Mit dem Haus will die deutsche Regierung zeigen, dass die sogenannte „Energiewende“ machbar ist. Diese Energiewende besteht vor allem in der Stilllegung von Kernkraftwerken und der Schaffung von stromproduzierenden Wind- und Solaranlagen, die in Zukunft die vorherrschenden Energieerzeuger sein sollen, weil sie – so die verbreitete Meinung – dem Klima nicht schaden. Die deutsche Regierung möchte, dass alle Gebäude, die ab 2019 neu errichtet werden, den Energiestandard eines Passivhauses haben.


 Auf der Terrasse gibt es Platz und eine Ladestation für elektrische  Fahrzeuge


Ein Elektroauto hat Mercedes-Benz  zur Verfügung gestellt, ein zweites Volkswagen.


Das Berliner “Effizienzhaus Plus” mit seiner effizienten Wärmedämmung und seinen mit Photovoltaik-Modulen verkleideten Fassaden soll einen Eindruck davon geben, was sich die deutsche Regierung die Häuser der Energiewende vorstellt.

Es scheint jedoch, dass nicht alles so funktioniert, wie die Planer es sich gedacht haben.  Die Photovoltaik-Anlage erzeugt 20 Prozent weniger Strom als vorgesehen, auch weil die umgebenden Gebäude und Bäume die Anlage zu gewissen Zeiten verschatten. Deshalb deckt die Anlage nicht alle Bedürfnisse wie es vorgesehen war, vor allem reicht der Strom nicht aus, um die Batterien des Elektroautos vollständig aufzuladen. Der grösste Stromverbraucher ist im Winter die Wärmepumpe; sie verbraucht 80 Prozent des erzeugten Stroms, weil in Berlin der Himmel in dieser Jahreszeit oft bedeckt ist.


Die Batterien der Elektrofahrzeuge können auf der Terrasse aufgeladen werden.


Das Berliner Effizienzhaus Plus erzeugt im Jahr rund 17.000 kWh Strom über eine Photovoltaikanlage, davon werden 10.000 kWh für Heizen, Warmwasserbereitung und Haushaltsstrom benötigt, 6.000 kWh für Autos und Elektrofahrräder. Der dann noch überschüssige Strom geht ins Netz.


Die deutsche Regierung sieht im “Effizienzhaus Plus” ein Modell des zukünftigen Wohnens

10.000 kWh bezogen auf 130 Quadratmeter Wohnfläche ergibt 77 kWh/m2a. Also kann es sich nicht um ein Passivhaus handeln, denn ein solches hat definitionsgemäss einen spezifischen Heizwärmebedarf von < 15 kWh/m2a und einen Gesamtenergiebedarf von < 42 kWh/m2a.


Kontrollschirm

Die Photovoltaik-Anlage deckt, wie es heisst, diesen Energiebedarf nur zu einem Drittel, zwei Drittel kommen aus dem Netz. Etwa die Hälfte des im Sommer erzeugten Stroms wird in das Netz eingespeist, die andere Hälfte von den Bewohnern konsumiert.

Das Haus macht eher den Eindruck, als solle es für Photovoltaik und Elektromobilität Werbung machen, zwei Sparten, die die deutsche Regierung im Rahmen der Energiewende besondere Bedeutung beimisst. Auch die enormen Glasflächen machen wenig Sinn in einer Gegend wie Berlin, selbst wenn es sich um eine Dreifach-Isolierverglasung handelt.

Wenn Bundeskanzlerin Merkel in dem Berliner „Effizienzhaus Plus“ ein Modell des zukünftigen Wohnens sieht, irrt sie sich gewaltig. Der grösste Teil der Deutschen wohnt in vielgeschossigen Mehrfamilienhäusern zur Miete und träumt dort vom Leben im eigenen Einfamilienhaus. Das wird sich auch in Zukunft kaum ändern. Und eine Wohnung im Mehrfamilienhaus besitzt nicht so viel Aussenfläche um dort Photovoltaik-Anlagen zu installieren, die auch den Bedarf der Elektroautos der Bewohner decken.

Die Familie, die das Haus als eine Art Versuchskaninchen bewohnt, bemängelt, dass man bei schönen und warmen Wetter die Fenster nicht öffnen kann. Auch in dieser Beziehung ist das Konzept des Hauses falsch. In einem „normalen“ Passivhaus kann man sehr wohl im Sommer die Fenster öffnen. Die mechanische Lüftung ist für jene Zeiten gedacht, in denen man heizen oder kühlen muss. Die restliche Zeit darf man die Fenster öffnen.

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