Die Solarhäuser von Felix Trombe in den Pyrenäen
Das Laboratorium
für Sonnenenergie der Direction Générale de
la Recherche Scientifique et Technique (DGRST) liegt in Odeillo, in grosser Höhe in den
französischen Pyrenäen. Unter
der Leitung von Felix Trombe
(1906-1985), eines französischen
Chemikers, Physikers und Höhlenforschers
ist diese Laboratorium in der ganzen Welt bekannt geworden wegen seines
Solarofens, der eine Leistung von 1 MW hat und mit welchem sich Temperaturen
über 3300°C erzielen lassen (Abb., 1).
Abb. 1 - Der Solarofen von
Odeillo
Felix Trombe ist jedoch auch bekannt geworden durch die nach ihm benannte Wand, mit dem sich die Sonnenenergie sehr effizient passiv nutzen auch in Wohnhäusern lässt.
Zusammen mit
dem Architekt Jacques Michel
baute Felix Trombe eine Reihe von “maisons solaires“, die alle eine ins Gebäude
integrierte Trombe-Wand besassen. Der Bau des ersten, als Prototyp gedachten,
Hauses reicht in Jahr 1956 zurück, als die Südwand einer Gebirgshütte in einen
Sonnenkollektor umgewandelt wurde (Abb. 2 und 3). Die Mauer mit einer Dicke von
30 cm wurde auf der Aussenseite verputzt und schwarz gestrichen, damit sie mehr
Sonnenstrahlung absorbieren konnte. Das Mauerwerk nahm dann die gesammelte
Sonnenwärme auf und speicherte sie. Vor der geschwärzten Mauer wurde im Abstand
von 10 cm eine Verglasung angebracht, damit der Wind die Wärme nicht forttragen
konnte. Zwischen der Mauer und dem Glas blieb also ein Zwischenraum. Oben und
unten waren in der Mauer Öffnungen damit die Raumluft zirkulierten und sich
erwärmen konnte.
Abb. 2 - Das erste Solarhaus von Felix Trombe aus dem Jahr 1956
Tagsüber, wenn die Sonne schien, erwärmte sich die Luft in dem Zwischenraum und trat aus den oberen Öffnungen in der Mauer aus und verbreitete sich in den Räumen. Gleichzeitig floss kältere Luft aus den unteren Öffnungen in den Zwischenraum. Auf diese Weise kam ein ständiger Luftkreislauf in Gang, der die Wärme ohne mechanische Hilfe in den Räumen verteilte.
Abb. 3 - Grundriss des ersten Solarhauses von Felix
Trombe in Odeillo
Die Wand hatte jedoch die Funktion eines Wärmespeichers. Sie erwärmte sich unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung und mit einer Verspätung von 6-8 Stunden erreichte die Wärme der Aussenseite die Innenseite der Mauer und strahlte in den Raum ab. Auf diese Weise garantierte die Mauer auch die Heizung während der Nacht, wenn die Luftzirkulation unterbrochen war.
Die Berghütte mit der ersten Tromb-Wand wurde nie bewohnt,
sondern diente dazu, Luftkanäle mit verschiedenen Querschnitten und Auslässen
zu testen und mit einem, in die Fassade integrierten Wasserkollektor zu
experimentieren. Deshalb gibt es auch genügend Daten über den Wirkungsgrad der
Anlage.
Wasserkollektoren
Wasser ist ein besserer Wärmespeicher als Mauerwerk und
Beton. In 100 Liter Wasser kann man bei einer Temperaturzunahme von 17°C 20 kWh
Wärme speichern, in Beton mit dem gleichen Volumen nur 9 kWh. Folglich sind auch Speicherwände aus Wasser
effizienter und verlieren ihre Wärme langsamer als Betonmauern.
Abb 4 – Der in ein
Trombe-Wand integrierte Wasserkollektor von 1962
Weitere Solarhäuser in Odeillo
In Odeillo wurden später weitere mit Trombe-Wänden ausgestattete Häuser
für Angestellte der DGRST gebaut. Unter der Leitung von Felix Trombe und Jacques Michel wurde
1967 eine Speicherwand aus Beton realisiert, die eine dicke von 60 cm hatte.
Das Haus hatte vier Zimmer und eine Wohnfläche von 76 m2. Die Fläche
des Kollektors betrug 48 m2. Der Kollektor funktionierte nach dem
gleichen Prinzip wie der des ersten Hauses.
Nachdem die Sonnenstrahlen den äusseren Glasabschluss passiert hatten,
wurden sie vom schwarz gestrichenen Betonoberfläche absorbiert, die bis zu 65°C
heiss wurde. Weil die langwellige Wärmestrahlung nicht durch das Glas nach
aussen konnte, erwärmte sich die Luft im Zwischenraum zwischen Glas und
Betonwand und stieg nach oben. Diese warme Luft gelangte in die Zimmer durch
Öffnungen im oberen Teil der Mauer, wobei gleichzeitig kühlere Luft aus den
Räumen durch Öffnungen im unteren Teil der Wand in den Zwischenraum strömte.
Diese Luftzirkulation dauerte solange an bis die Temperatur der Aussenseite der
Wand auf 21°C zurückgegangen war. Dies geschaht etwa zwei bis drei Stunden nach
Sonnenuntergang.
Um die umgekehrte Luftzirkulation zu vermeiden, lagen die unteren
Öffnungen etwas hoher als der Kollektorboden. Nachts blieb die kühlere Luft am
Boden des Kollektors. Ein grosser Teil der von der Sonne erzeugten Wärme war im
Beton gespeichert durchquerte die Wand im Verlauf von 10-15 Stunden.
Nachts
wurde das Haus durch die auf der Innenseite der Wand abgestrahlte Wärme
geheizt. An einem wolkenlosen Tag heizte mehr als 70 Prozent der Sonnenwärme
die Zimmer durch Strahlung. Der Rest erreichte die Räume durch Luftkonvektion. Zwei dieser Häuser waren ab 1967 von
Ingenieuren des „Laboratoire de l’energie solaire” bewohnt. Weil sie nicht
genügend wärmegedämmt waren, verloren die Häuser jeden Gradtag 6.448 kWh. Trotzdem
lieferte die Trombe-Betonwand zwischen 60 und 70 Prozent der notwenigen Wärme, in
einem durchschnittlichen Winter auf der Höhe von Odeillo, wo die Temperaturen
bis auf -18°C sinken können. Von November bis Februar sammelte der Kollektor
mehr als 30 Prozent der eintreffenden Sonnenstrahlung.
Während
einer Typischen Heizperiode lieferte dieses passive System 630 kWh (entspricht
7 Liter Heizöl) pro Quadratmeter Kollektorfläche. Die Trombe-Wand, welche die
gesamte Südseite des Hauses bedeckte, kostete seinerzeit etwa 130 Dollar pro
Quadratmeter.
1971
wurde ein weiteres Haus mit einer Trombe-Wand an der Maas, in der Nähe der Belgischen
Grenze, gebaut. Dieses Haus hatte eine Wohnfläche von 100 m2 und besass
eine wesentlich bessere Wärmedämmung als das Haus in Odeillo. Die Trombe-Wand
dort war aus Beton und hatte eine Dicke von 40 cm und war durch eine
Doppelverglasung geschützt. Während das Haus in Odeillo ungefähr 0,5
Quadratmeter Kollektorfläche pro Kubikmeter umbauten Raum hatte, hatte die
Wohnung an der Maas 1 Quadratmeter
Kollektorfläche pro 2,5 Kubikmeter umbauten Raum. An der Maas sind die Winter
weniger hart als in Odeillo, aber der Himmel ist häufiger bewölkt. Die
Trombe-Wand lieferte zwischen 40 und 45 Prozent der benötigten Wärme.
Die Residence di
Odeillo del 1974
1974
wurde in Odeillo ein Gebäude mit drei Wohnungen gebaut. Auch dieses Haus war
von Jacques Michel projektiert worden und auch in diesem Fall sollte das System
Trombe zur Heizung und zur Kühlung genutzt werden. Die Fenster waren in den
Wandkollektor integriert und Der Beton war tiefblau, rot oder grün bemalt und
nicht schwarz. Andere Unterschiede waren zusätzliche Öffnungen im oberen Teil
der Trombe-Wand und die Regulierbarkeit der Warmluftströmung sowohl von innen
als auch von aussen.
Abb. 5 - Die Résidence mit drei Wohnungen in
Odeillo (1974)
Im Sommer waren die Auslässe so eingestellt, dass die von der Sonne erwärmte Luft im oberen Teil des Kollektors entweichen konnte. Dieser „Kamineffekt“ zog gleichzeitig auch die warme Luft aus den Zimmern, während kühle Luft von der Nordseite her nachströmte, wo ebenfalls Lüftungsöffnungen vorgesehen waren. Auf diese Weise setzte die Sonne auch einen natürlichen Lüftungsprozess in Gang, der an Sommertagen die Wohnungen kühlte.
Abb. 6 - Schnitt und Ansicht des solaren Heizsystems der
1974 gebauten Rèsidence in Odeillo (Sommerbetrieb)
Im Winter waren die Öffnungen so eingestellt, dass die im Kollektor erwärmte Luft direkt in die Zimmer gelangte, wie schon in den vorherigen Häusern der Fall war. Diese Konvektion lieferte auch nachts warme Luft, wenn auch in geringerem Masse. Der umgekehrte Luftstrom, der sich in den frühen Morgenstunden oder bei bewölktem Himmel hätte einstellen können, wurde vermieden, denn die kalte Luft blieb im unteren Teil des Kollektors gefangen.
Der
Wärmedurchgang durch die 40 cm dicke Betonwand dauerte zwischen 8 und 12
Stunden. Für ein gut wärmegedämmte Wohnung empfahl Michel etwa einen
Quadratmeter Kollektoroberfläche pro 3,5 Kubikmeter Raumvolumen.






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