Zwei Solarhäuser in Domat/Ems
(CH)
Die Gemeinde Domat/Ems ist fünf Kilometer von Chur, der
Kantonshauptstadt Graubündens, entfernt. An beiden Ufern des Rheins überragen
hohe Berge den Ort. In den Wintermonaten, gibt es nur wenige Sonnenstunden. Im
Viertel Calundis, in welchem die beiden Häuser stehen, scheint die
Sonne nur für zwei Stunden am Tag. An einem solchen Ort Solarhäuser bauen zu
wollen, erscheint verrückt, aber dem Architekt Dietrich Schwarz ist es
gelungen.
Die transluzente Fassade mit den hochgelegenen Fenstern
Seine Lösung des Problems war die Folgende: Ausbildung
der Fassaden der zwei Häuser (400 m2) als Solarkollektoren, natürlich mit
Ausnahme der Nordfassade. Die grossen Glasflächen, welche die Sonnenstrahlung
aufnehmen, sind im Winter absolut nötig, im Sommer können sie dagegen rasch zur
Ursache von Überhitzung werden. Sensible Solarsysteme brauchen einen
effizienten sommerlichen Sonnenschutz.
Auf diesen Flächen, welche die Sonnenstrahlung
aufnehmen, hat Schwarz fünf verschiedene Technologien eingesetzt, die nach drei
Kriterien ausgewählt wurden: Architektur, Wohnqualität und Orientierung.
Photovoltaik-Module (30 m2) zur Stromerzeugung und Sonnenkollektoren zur
Warmwasseraufbereitung (8 m2) bedecken die nach Süden ausgerichtete Dachfläche,
die eine Neigung von 45° hat. Vom asymmetrischen Dach kommt also die Energie
für die Küche und fürs Bad. Der grösste Teil der Heizwärme stammt hingegen von
der Fassade.
Die strahlende Fassade am Abend
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In die Fassade (280 m2) sind drei verschiedene Systeme integriert: etwa ein
Fünftel der Fassadenfläche besteht aus Fenstern die einen
Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von 0,84 W/(m2K) und einen
Gesamtenergiedurchlasswert (g) von 0,29 haben. Der Rest der Fassade ist bedeckt
von einem transparenten, wärmedämmenden Material (TWD). Auf der Süd-, Ost- und
Westseite bedeckt dieses Material eine Betonwand (Dicke 20 cm), die 18 Meter
lange Nordseite ist hingegen total transparent; sie besteht ausser den Fenstern nur aus diesem, zwischen zwei
Glasscheiben liegenden Material.
Die Sonnenenergienutzung erfolgt folglich auf zwei
Arten: durch die opake Aussenhaut (Südseite) dringt die Wärme ins Haus, das
Tageslicht kommt hingen auf der transparenten Nordseite herein und verbreitet
in den Räumen ein angenehmes diffuses Licht. Am Abend strahlen beide Häuser
Licht aus, ein in Domat/Ems vorher nie Gesehenes Ereignis.
Was den
beiden Fassadentypen gemeinsam ist, ist die Schicht TWD aus Polykarbonat, die
eine Dicke von 10 cm auf der Südseite und eine von 15 cm auf der Nordseite hat.
Die Wände besitzen ausserdem einen Sonnenschutz, der einer Überhitzung im
Sommer vorbeugt, ohne diesen würden die Häuser im Sommer zu einem
Brennofen werden. Der Architekt hat zuerst an einen aussenliegenden mobilen
oder festen Sonnenschutz gedacht, aber diese Systeme haben sich nicht als
zufriedenstellend erwiesen. Er hat deshalb nach einer anderen Lösung gesucht.
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Schnitt mit Erdgeschoss, Obergeschoss und Keller; links die Südfassade
mit der Speicherwand
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Alle mit TWD versehenen Speicherwände weisen drei Schichten auf: extrahartes Glas (6 mm),
TWD (10 cm), Zwischenraum (2 cm), Schwarzer Absorber aus Chromstahlblech (0,5
cm), belüfteter Zwischenraum (10 cm), Betonwand (20 cm). Die Gesamtdicke der
Wand ist folglich 43 cm. Der Zwischenraum zwischen Absorber und TWD ist aus
Sicherheitsgründen vorgesehen worden. Aus den Berechnungen ergab sich für die
aufnehmende Oberfläche eine Temperatur von 150°C ; das Polykarbonat wird weich
bei 190°C und wird flüssig bei 250°C. Der belüftete Zwischenraum zwischen
Absorber und Betonwand dient dazu eine Überhitzung der Räume im Sommer zu
vermeiden.
Die Kriterien nach den die Ventile geöffnet und
geschlossen werden, sind einfach: die bleiben geöffnet wenn die mittlere
Tagestemperatur über 10°C liegt, ansonsten bleiben sie geschlossen. Von
besonderem Interesse sind die Berechnungen, die das Fraunhofer Institut für
Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg i.Br. angestellt hat. Aus diesen geht
hervor, dass ein Zwischenraum von weniger als 6 cm keine ausreichende Lüftung
garantiert. Eine solche ist jedoch garantiert bei einem Zwischenraum von 10
cm. An einem
einigermassen warmen Frühlingstag, steigt die Temperatur am Absorber auf 100°C;
bei geöffneten Ventilen beträgt die Temperatur der dahinter liegenden Wand 20°C
und 40°C erreicht, wenn die Ventile geschlossen sind.
Der Wärmebedarf der beiden Häuser von 1000 kWh ist
sehr viel niedriger als der eines normalen, neuen Gebäudes gleicher Grösse. Die
Räume haben eine elektrische Fussbodenheizung. Zur Energieeinsparung tragen
auch das mechanische Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung und der Erdwärmetauscher bei, der im Winter
die Aussenluft vorheizt und im Sommer kühlt.
Die zwei Häuser wurden 1996 gebaut . Die Effizienz
der Strahlungsaufnahme durch die Aussenflächen der beiden Häuser und deren
thermisches Verhalten wurden im Rahmen eines Programmes (1) verfolgt, an das
das Bundesamt für Energie und der Kanton Graubünden finanzielle Beiträge
geleistet haben.
(1) Das Programm ENERGIE 2000 der Schweizerischen Eidgenossenschaft hatte zwei
Hauptziele: die Nutzung der erneuerbaren Energien sowie die Ausschöpfung aller
Möglichkeiten zur Energieeinsparung. Zu diesen Zweck hatte die Schweizer
Regierung, ausser der diesbezüglichen Forschung auch die Realisierung von
Pilot- und Demonstrationsprojekten gefördert, welche sich der neuen,
innovativen Technologien bedienen. Im Rahmen dieses Programmes wurden
realisiert: Windanlagen, elektrische
Fahrzeuge, Biogasanlagen, Kleinwasserwerke und Niedrigenergiehäuser. Die beiden
hier vorgestellten Häuser in Domat/Ems erhielten einen finanziellen Beitrag vom
Bundesamtes für Energie und vom Büro für Energie des Kantons Graubünden. Ein
innovativer Charakter wurde insbesondere dem Gebrauch von TWD-Elementen und den Schutz vor möglicher Überhitzung der
Räume im Sommer zuerkannt. An die Kosten dieser Elemente und an die
Kontrollüberwachung wurde ein finanzieller Beitrag ausgerichtet.



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