Das
erste Passivhaus Deutschlands
Das erste Passivhaus Deutschlands wurde 1991 in
Darmstadt-Kranichstein fertiggestellt. Das Gebäude war von der Firma Rasch
& Partner nach einem Projekt des Architekturbüros Bott/Ridder &
Westermeyer in Darmstadt realisiert worden. Das Passivhauskonzept stammt von dem
schwedischen Architekt Hans Eek und dem deutschen Physiker Wolfgang Feist. Feist, der damals beim
Darmstädter Institut “Wohnen und Umwelt“ arbeitete, hat das Darmstädter Projekt wissenschaftlich
begleitet. Dr. Feist ist auch der Gründer und Leiter des 1996 gegründeten
Passivhaus Instituts in Darmstadt.
Das Passiv-Mehrfamilienhaus in Darmstadt-Kranichstein – Südfassade
Das Passivhaus in Darmstadt-Kranichstein ist ein
dreigeschossiges Reihenhaus mit insgesamt vier Wohnungen. Jede Wohnung hat eine
Wohnfläche von 156 m2. Das Untergeschoss des Gebäudes ist gegen oben
wärmegedämmt. Die Aussenwände der oberen Geschosse bestehen aus einer
Verbundkonstruktion mit 30 cm Wärmedämmung. Das Pultdach ist eine
Holzkonstruktion und hat eine 40 cm dicke Wärmedämmung. Die Fenster haben
Spezialrahmen und eine Dreifach-Isolierverglasung. Der Zwischenraum zwischen
den Scheiben ist mit Kryptongas gefüllt.
Ab 1991 wurde in dem Haus ein Kontroll- und
Messprogramm durchgeführt. Dieses Programm wurde von der Stiftung Wüstenrot und
dem Hessischen Umweltministerium finanziert. Im Rahmen des ersten Messperiode
waren noch nicht alle Dämmarbeiten beendet, aber in den darauffolgenden
Perioden war der Heizwärmeverbrauch (Erdgas) aller Wohnungen geringer als 12
kWh/(m2a), das heisst er betrug nur ein Zwanzigstel des
durchschnittlichen Verbrauch deutscher Wohnungen. Auch die anderen häuslichen
Energieverbräuche waren sehr gering. In den acht Jahren, in denen Messungen
erfolgten, betrug der Gesamtenergieverbrauch (für Heizung,
Warmwasseraufbereitung, mechanische Lüftung, Beleuchtung und andere Nutzungen)
weniger als 33 kWh(m2a), d.h. 3 kWh(m2a) mehr als vorher
berechnet.
Das Passivhaus in Darmstadt-Kranichstein – Innenansicht einer Wohnung. Die
grossen Südfenster stellen ein optimale Sichtverbindung zur Umgebung her und verhelfen
dem Gebäude auch im Dezember und Januar zu Solargewinnen, die grösser sind als
die Wärmeverluste.
In jeder der vier
Wohnungen des Gebäudes war vorsichtshalber auch eine konventionelle Radiatorenheizung
vorgesehen, weil man sich in der Projektierungsphase noch nicht sicher war, ob
das Lüftungssystem allein in der Lage sein würde, die notwendige Wärme
bereitzustellen. Von dieser Heizung wurde jedoch nur in den Wintern 1991 bis
1993 Gebrauch gemacht, die ausgesprochen kalt waren. Die konventionelle
Heizanlage verbraucht durchschnittlich 10 kWh(m2a).
Später wurden vor den
Fenstern noch eine Nachtdämmung in Form von Schiebeläden aus Polyurethan mit
beidseitiger Alu-Abdeckung angebracht, die sich abends automatisch vor die
Fenster schieben. Dadurch konnten die nächtlichen Wärmeverluste mehr als
halbiert werden.
Schemaschnitt durch das
Passivhaus Darmstadt-Kranichstein.
Nach der Montage der Nachtdämmung vor den Fenstern, während
der vierten und fünften Messperiode (zwischen Oktober 1994 und September 1996),
konnte man die Heizung in einer der Wohnungen völlig abstellen. Der
Wärmeverbrauch war praktisch auf null gesunken. Man konnte also von einem
Nullenergiehaus sprechen.
Die Realisierung des Passivhauses in
Darmstadt-Kranichstein hat die Effizienz des Passivhaus-Konzeptes bewiesen und
gezeigt, dass es möglich ist, den Energieverbrauch von Wohngebäuden drastisch
zu reduzieren, ohne den Wohnkomfort zu beeinträchtigen.



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