Solar ist ein Modewort, das gut klingt
aber nichts Genaues bezeichnet. Es
gibt Solaranlagen, Solarhäuser, Solare Städte, Solararchitektur.
Um zu verstehen, was jeweils mit „solar“ gemeint ist, braucht es
Präzisierungen.
Mit Solararchitektur verbindet sich die Idee ein Gebäude vorwiegend mit Sonnenenergie im Winter zu heizen, im Sommer zu kühlen und ganzjährig mit elektrischen Strom zu versorgen. Häufig hat man jedoch den Eindruck, dass das Wort “solar” nur gebraucht wird um zu suggerieren, dass ein Haus ökologisch, energiesparend und umweltfreundlich ist, also allgemein positiv zu bewerten sei. So wie man auch in Bezug auf einen Menschen von dessen „sonnigem“ Gemüt spricht, wenn man etwas Positives über ihn aussagen soll.
Die Solararchitektur
findet heute in Europa, besonders in Deutschland, grosse Beachtung, weil die
Umweltpolitik sich zum Ziel gesetzt hat, den Energieverbrauch und somit den
CO2-Ausstoss im Hinblick auf den Klimawandel drastisch zu reduzieren. Eine
vermehrte Nutzung der Sonnenenergie soll den Verbrauch von fossilen
Energieträgern – Kohle, Erdöl und Erdgas - vermindern, nicht etwa weil diese
Ressourcen knapp sind und einmal aufgebraucht sein werden (was eine rationale
Überlegung wäre), sondern weil mit deren Verbrennung die Emission von CO2
verbunden ist, was als klimaschädlich gilt. In Europa, und wieder ganz
besonders in Deutschland, hat man sich in den Kopf gesetzt, das Klima retten zu
wollen.
Die
Sonnenenergienutzung wird häufig propagiert mit der Begründung Sonnenenergie
sei gratis, die Sonne stelle keine Rechnung, aber das stimmt nicht. Klar, die
Sonne stellt keine Rechnung, aber auch Erdöl, Erdgas und Kohle stellen keine
Rechnung. Was kostet, sind die Investitionen, die mit der Gewinnung, Ausbeutung
und Verteilung dieser Ressourcen verbunden sind.
Gebäude,
die ganz oder fast ausschliesslich mit Sonnenenergie betrieben werden, sind in
der Regel teurer als normale Bauwerke, denn um ein Haus ausschliesslich mit
Sonnenenergie zu versorgen, muss man zu Massnahmen greifen, die die Baukosten
verteuern: die Wärmedämmung, inklusiv der der Fenster, muss sehr viel
effizienter sein als die normaler Häuser um den Heizenergiebedarf so niedrig zu
halten, dass er von der Sonne gedeckt werden kann. Und Photovoltaik-Anlagen
sind in der Anschaffung noch so teuer, dass ihre Amortisation sehr viel Zeit
erfordert, sofern sie nicht staatlich subventioniert sind.
Die
Solararchitektur entstand nicht, wie vielleicht manche Leute glauben, nach den
Erdölkrisen der 70er und 80er Jahre, sondern schon vor dem Zweiten Weltkrieg,
als noch niemand von Energiekrise und Klimawandel sprach. Die ersten
experimentellen Solarhäuser entstanden in den Vereinigten Staaten und
wahrscheinlich stammt auch das Wort „Solararchitektur“ (Solar Architecture) von dort.
Zu den ersten Beispielen von Solararchitektur
gehören die experimentellen Häuser, die das Massachusetts Institute of
Technology (MIT) ab 1938 zu Studienzwecken gebaut hat. Es gibt dann viele Beispiele
von Solarhäusern in den USA und in Europa, die zeigen, mit welchen Mitteln man
versucht hat, die von der Sonne gewonnene Wärme zu speichern. Am Ende der
Geschichte stehen Häuser, die ihren Wärme- und Strombedarf ausschliesslich mit
der Sonne decken, wie zum Beispiel die sogenannten Passivhäuser. Solche
Passivhäuser gibt es immer mehr.
Deutschland und die Europäische
Union möchten, dass in Zukunft alle neuen Gebäude den Energiestandard von
Passivhäusern aufweisen, nicht etwa, um fossile Energieträger einzusparen, weil
diese unwiederbringlich sind, sondern, wie gesagt, um das Klima zu retten.
Darüber kann jeder denken wie er will.
Man unterscheidet zwei
Nutzungen der Sonnenenergie: eine passive und eine aktive. Passiv ist die
Nutzung wenn die Sonne durch die Fenster hereinscheint und die Räume erwärmt.
Als aktive Nutzung gilt wenn die Sonneneinstrahlung mittels Solarpaneele
(Photovoltaik) in elektrische Energie umgewandelt oder mittels
Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung genutzt wird. Im ersten Fall spricht man
korrekterweise von Photovoltaik, im zweiten Fall von Solarthermie.
In der
Solararchitektur wird heute die Sonnenenergie sowohl passiv als auch aktiv
genutzt. Um als Solarhaus zu gelten, muss ein „nennenswerten“ Teil des Gebäudeenergiebedarfs
durch Sonnenenergie gedeckt sein.
Seltsamerweise
spricht niemand von „solar“ im
Zusammenhang mit der Photosynthese der Pflanzen, obwohl diese nur dank der von
der Sonne gelieferten Energie funktioniert und eines der wichtigsten Prozesse
ist, die auf diesem Planeten ablaufen.
Als
„Solararchitektur“ sollten nur diejenigen Bauwerke bezeichnet werden, die im
Hinblick auf eine hohe Sonnenenergienutzung projektiert und gebaut worden sind,
wobei es gleichgültig ist, ob diese Nutzung nun aktiv, passiv, oder beides ist.
Solar ist folglich diejenige Architektur, welche die Sonne gezielt zur
Belichtung und Klimatisierung von Räumen, sowie zur Erzeugung von Warmwasser
und elektrischem Strom nutzt, um auf diese Weise den Energiebedarf eines
Gebäudes völlig oder zumindest zu einen erheblichen Teil zu decken.
Das
Hauptproblem der Sonnenenergienutzung, sei sie nun passiv oder aktiv, ist die
Unbeständigkeit der Energiequelle. Die Sonne scheint nicht immer. Nachts hört
der Energiefluss auf und bei bedecktem
Himmel nimmt er gewaltig ab. Schon einzelne Wolken vor der Sonne verringern
sehr stark den Strahlungseintrag. Im Winter, wenn man die Sonnenwärme gut
gebrauchen könnte, sind die Tage kürzer und der Himmel ist häufiger bedeckt,
die solaren Energieeinträge sind deshalb stark reduziert..
Viele
Ingenieure und Architekten haben deshalb nicht nur darüber nachgedacht wie man
die solaren Energiegewinne, vergrössern kann, sondern auch darüber, wie man die
an sonnigen Tagen gewonnene Wärme für die Nacht und ganz generell für solche
Zeiten speichern kann, an denen die Sonne nicht scheint. Jeder hat
wahrscheinlich schon einmal den Gedanken gehabt „Ach wie schön wäre es, wenn
man von der (manchmal drückenden) Sommerwärme etwas für den Winter aufheben
könnte“. Und genau diesem Wunsch hat die Solararchitektur ihre Entstehung zu
verdanken. Aus dem Hunger nach solaren Wärmegewinnen, lässt sich leicht
schliessen, woher die Solararchitektur stammt: aus Ländern, in denen man einen
grossen Teil des Jahres heizen muss, wie in Nordamerika und in Europa.

Nessun commento:
Posta un commento